21.09.2019 / Verfasser: Rudolf Kettel

Update - Gesellschafterdarlehen im Verlustfall

Nachdem der Bundesfinanzhof in 2017 seine diesbezügliche bisherige Rechtsprechung an die neue Gesetzeslage im Zivilrecht angepasst hat, wird nun in 2019 der Gesetzgeber aktiv.

Im Referentenentwurf des Gesetzes zur weiteren Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 8.5.2019 will der Gesetzgeber die jetzige vom BFH geänderte Rechtslage zum 1.1.2020 per Gesetz zurückdrehen.

Zur Erinnerung wird die jetzige Rechtslage kurz dargestellt.

Altdarlehen vor dem 1.1.2009

Verluste aus Darlehen vor dem 1.1.2009 können nur als nachträgliche Anschaffungskosten berücksichtigt werden und einen Verlust i.S. § 17 EStG erhöhen. Soweit diese Darlehen nicht mit einer Einlage wirtschaftlich vergleichbar sind, können diese Verluste nicht als nachträgliche Anschaffungskosten i.S.d. § 17 EStG berücksichtigt werden. Bei stehengelassenen Darlehen ist für die Höhe des festzustellenden Verlustes der gemeine Wert maßgeblich. Ein Verlust außerhalb des § 17 EStG ist nur im Einzelfall berücksichtigungsfähig.

Darlehen nach dem 1.1.2009

Beteiligung < 10 % (Abgeltungssteuer)

  • Wertverluste aus Darlehen sind nur verrechenbar mit Kapitalerträgen, die der Abgeltungsteuer unterliegen.
  • Verluste aus solchen Kapitalvermögen dürfen nicht mit anderen Einkünften ausgeglichen werden.
  • Diese Verluste dürfen auch nur mit Kapitaleinkünften, die der Abgeltungsteuer unterlegen haben, verrechnet werden.

Beteiligung > 10 % (Regelsteuer)

  • Wertverluste aus stehengelassenen Darlehen sind mit dem Teilwert bei Krisenbeginn zu bewerten und mit anderen Einkünften zu 100 % verrechenbar.
  • Wertverluste aus krisenbestimmten Darlehen werden mit dem Nennwert angesetzt. Dieser Verlust darf in voller Höhe und soweit Anschaffungskosten vorliegen nur in Höhe von 60 % mit anderen Einkünften verrechnet werden.

Geplante Änderung der Rechtlage ab dem 1.1.2020

Ab diesem Zeitpunkt können Wertverluste aus Darlehen nicht mehr bei den Kapitaleinkünften berücksichtigt werden. Der Gesetzgeber will damit hochspekulative Geschäfte auf Kosten der Allgemeinheit verhindern. Die Berücksichtigung von Gesellschafterdarlehen/Bürgschaften im Verlustfall als nachträgliche Anschaffungskosten i.S.d. § 17 EStG wird eng reglementiert, aber auch auf Beteiligungen zwischen 10 % und 1 % ausgedehnt.

Fazit:

Die neue ab dem 1.1.2020 geplante Rechtlage schränkt die Möglichkeit der Berücksichtigung von solchen Verlusten stark ein. Somit sollte in diesen Fällen rechtzeitig bis Ende 2019 gehandelt werden, um Ungemach zu verhindern.

Gerne stehe ich Ihnen für Rückfragen zu diesem Thema zur Verfügung.

Rudolf Kettel
Wirtschaftsprüfer/Steuerberater