19.03.2018 / Verfasser: Joachim Fürst

Der Pflichtteil als Hindernis bei der Vermögensübergabe an die nächste Generation

Grundsätzlich steht es jedem Erblasser frei, seine Erbfolge testamentarisch so zu gestalten, wie er es für richtig hält, auch wenn er damit von den gesetzlichen Bestimmungen abweicht. Eine der wenigen Einschränkungen die seiner freien Entscheidung entgegensteht, ist hierbei das Pflichtteilsrecht.

Das Pflichtteilsrecht sichert für die Berechtigten gesetzliche Mindestansprüche am Erbe. Pflichtteilsberechtigt sind vor allem die Ehegatten und die eigenen Abkömmlinge. Der Pflichtteil beträgt grundsätzlich die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Ein Pflichtteilsberechtigter kann den Pflichtteil dann geltend machen, wenn er vom Erblasser entweder gar nicht als Erbe berücksichtigt wurde, oder sein ihm zugewiesener Erbteil (alternativ: Vermächtnis) niedriger ist als sein Pflichtteilsanspruch.

Der Pflichtteilsanspruch ist gegen den oder die Erben geltend zu machen, ist ein Anspruch auf Zahlung in bar und ab Geltendmachung fällig. Die Frist für die Geltendmachung beträgt drei Jahre.

Pflichtteilsansprüche sind in Testamentsgestaltungen deshalb zwingend zu bedenken. Soll eine erbberechtigte Person nicht als Erbe bedacht werden, bietet sich beispielsweise ein schon zu Lebzeiten des späteren Erblassers notariell zu erklärender Pflichtteilsverzicht (z.B. gegen eine Abfindung) an.

Der Pflichtteilsanspruch kann insbesondere bei gebundenem Vermögen zu Schwierigkeiten führen. Beispiel: Ein Vater hat eine Tochter und einen Sohn. Außer seinem Wohnhaus im Wert von € 500.000,- hat er kein Vermögen. Der Vater vererbt das Wohnhaus an seine Tochter, der Sohn bekommt nichts. Da beide Kinder zu je ½ erbberechtigt sind, beträgt der Pflichtteil des Sohnes ¼, den er bei seiner Schwester geltend macht. Die Schwester muss kurzfristig € 125.000,- an ihren Bruder bezahlen.

Für Fragen zum komplexen Themengebiet der Testamentsgestaltung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Joachim Fürst
Steuerberater
Fachberater für Unternehmensnachfolge (DStV e.V.)