11.02.2019 / Verfasser: Rudolf Kettel

Gesellschafterdarlehen im Verlustfall

Der Bundesfinanzhof hat sich in zwei Grundsatzurteilen im Jahr 2017 mit den steuerlichen Auswirkungen des MoMiG, knapp 10 Jahre, nach dem in Kraft treten der Änderungen im GmbH Gesetz befasst.

Der BFH gelangt in diesen Entscheidungen zu grundlegend neuen Erkenntnissen. Folgerichtig hat das Gericht seine bisherige Rechtsprechung angepasst und die Abkehr von der bisherigen Rechtslage
nachvollzogen.

Grundsätzlich sind danach zwei Hauptgruppen zu unterscheiden:

Darlehen, die ins Regime der Abgeltungsteuer fallen und Altdarlehen die vor dem 1.1.2009 ausgereicht wurden.

Altdarlehen vor dem 1.1.2009

Verluste aus Darlehen, die vor dem 1.1.2009 ausgereicht wurden, können nur als nachträgliche Anschaffungskosten berücksichtigt werden und einen Verlust i.S. § 17 EstG erhöhen. Soweit diese Darlehen nicht mit einer Einlage wirtschaftlich vergleichbar sind, können diese Verluste nicht als
nachträgliche Anschaffungskosten i.S.§ 17 EstG berücksichtigt werden. Bei stehengelassenen Darlehen ist für die Höhe des festzustellenden Verlustes der gemeine Wert maßgeblich. Ein Verlust außerhalb des § 17 EstG ist nur im Einzelfall berücksichtigungsfähig.

Darlehen nach dem 1.1.2009

Beteiligung < 10 % (Abgeltungssteuer)

  • Wertverluste aus Darlehen sind nur verrechenbar mit Kapitalerträgen, die der Abgeltungsteuer unterliegen.
  • Verluste aus solchen Kapitalvermögen dürfen nicht mit anderen Einkünften ausgeglichen werden.
  • Diese Verluste dürfen auch nur mit Kapitaleinkünften, die der Abgeltungsteuer unterlegen haben, verrechnet werden.

Beteiligung > 10 % (Regelsteuer)

  • Wertverluste aus stehengelassenen Darlehen sind mit anderen Einkünften zu 100 % verrechenbar.
  • Wertverluste aus krisenbestimmten Darlehen werden mit dem Nennwert angesetzt. Dieser Verlust darf in voller Höhe und, soweit Anschaffungskosten vorliegen, nur in Höhe von 60% mit anderen Einkünften verrechnet werden.

Fazit:

Der BFH hat in seiner Entscheidung sechs Fallgruppen identifiziert und für Altfälle vor dem 27.9.2017 eine Vertrauensschutzregel (Wahlrecht) geschaffen. Im Einzelfall kann es jedoch für den Steuerpflichtigen günstiger sein, sich auf die alte Rechtslage (Eigenkapitalersatz) zu berufen. Soweit der Darlehensausfall nicht der Abgeltungsteuer unterliegt, droht die Gefahr, dass der steuerliche Verlust unberücksichtigt bleibt. Ist der Gesellschafter mit mindestens 10 % beteiligt, so ist ein Verlust i.S. 20 EStG einem Verlust nach § 17 EStG vorzugswürdig. Somit sollte jetzt rechtzeitig eine Analyse der Darlehen stattfinden, um sich die maximalen steuerlichen Vorteile im Verlustfall zu sichern.

Gerne stehe ich Ihnen für Rückfragen zu diesem Thema zur Verfügung.

Rudolf Kettel
Wirtschaftsprüfer/Steuerberater