09.07.2018 / Verfasser: Tanja Wachter

Steuermindernde Berücksichtigung von privaten Darlehen endlich möglich

Mit BFH-Urteil vom 24.10.2017 wurde festgestellt, dass ab Einführung der Abgeltungssteuer im Jahre 2009 der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung in der privaten Vermögenssphäre zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust führt.

Lt. BFH ist eine Trennung von Vermögens- und Ertragsebene für Einkünfte aus Kapitalvermögen mit Einführung der Abgeltungssteuer weggefallen, weil erreicht werden sollte, dass alle Wertveränderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen steuerlich erfasst werden. Kapitalforderungen i.S.d. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG führen damit bei deren Ausfall zu einem steuerlichen Verlust i.S.d. § 20 Abs. 2 EStG.

Eine steuermindernde Berücksichtigung kommt aber nur in Betracht, wenn die Rückzahlung endgültig nicht erfolgt. Dabei führt die Eröffnung des Insolvenzverfahren über das Vermögen des Schuldners noch nicht zur Endgültigkeit. Erst wenn die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt worden ist, kann das Darlehen steuermindernd berücksichtigt werden.

Über andere Konstellationen als die in dem Urteil wurde nicht entschieden. Deshalb ist die Anwendung des o.g. Urteils auf den Verzicht der Rückzahlung einer Kapitalforderung damit noch nicht geklärt. Ebenfalls ist noch offen, ob das BFH-Urteil analog auf den Ausfall eigenkapitalersetzender Finanzierungshilfen durch Gesellschafter im Rahmen des § 17 EStG angewendet werden kann. Einige Literaturmeinung vertreten schon jetzt die Auffassung, dass auch der Ausfall eines Gesellschafterdarlehens zukünftig zu Verluste aus Kapitalvermögen führt (Stenert/Sellle Ubg 2018 S.183).

Die Finanzverwaltung sieht den Ausfall von Darlehensforderungen momentan noch anders. Ein Forderungsausfall ist keine Veräußerung i.S.d. § 20 Abs. 2 EStG (BMF-Schreiben vom 18.01.2016, IV C 1 - S 2252/08/10004:017, Rz. 60). Das BFH-Urteil vom 24.10.2017 ist noch nicht im BStBl. veröffentlicht. Daher entfaltet es noch keine Bindungswirkung. Jedoch spätestens im gerichtlichen Rechtsbehelfsverfahren sollte die geänderte Rechtsprechung für die Steuerpflichtigen zum gewünschten Ergebnis führen. Für den steuerlichen Berater heißt das, die betroffenen Fälle zu prüfen und ggf. gerichtlich klären zu lassen.

Tanja Wachter
Steuerberaterin