03.04.2017 / Verfasser: Constanze Irrgang

Nutzungsentgelt und Kraftstoffkosten bei Überlassung eines betrieblichen Pkw - Berücksichtigung beim geldwerten Vorteil?

Zu den Einkünften eines Arbeitnehmers aus nichtselbständiger Arbeit gehören nach § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG Gehälter, Löhne, Gratifikationen, Tantiemen und andere Bezüge und Vorteile für eine Beschäftigung im öffentlichen oder privaten Dienst. Nach ständiger Rechtsprechung führt die Überlassung eines betrieblichen PKW durch den Arbeitgeber an den Arbeitnehmer für dessen Privatnutzung zu einer Bereicherung des Arbeitnehmers und damit zum Zufluss von Arbeitslohn. Nach § 8 Abs. 2 Satz 4 EStG kann - vereinfacht gesagt - zur Ermittlung des Wertes der privaten Nutzung eines betrieblichen Kfz zu privaten Fahrten und für die Nutzung zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ein Fahrtenbuch inklusive entsprechender Belege geführt werden (Fahrtenbuchmethode). Der Arbeitnehmer kann aber auch - wie überwiegend - nach der "1 %-Regelung" verfahren.

In einigen Fällen hat der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber ein Nutzungsentgelt zu zahlen oder einzelne individuelle Kosten (z. B. Kraftstoffkosten) zu tragen.

Der BFH (Urteil vom 30.11.2016 - VI R 49/14) hat sich mit der Frage befasst, wie sich ein Nutzungsentgelt auf den anhand der Fahrtenbuchmethode ermittelten und zu versteuernden Wert der privaten Nutzung auswirkt. Er hat entschieden, dass das Nutzungsentgelt von dem nach der Fahrtenbuchmethode ermittelten Wert und dem auf dieser Basis nach den gesetzlichen Vorschriften ermittelten geldwerten Vorteil abzuziehen ist. Übersteigt das Nutzungsentgelt die Höhe dieses geldwerten Vorteils, ist letzterer im Ergebnis mit "0" in Ansatz zu bringen. Die so entstandene Differenz kann auch nicht bei den Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit abgezogen werden. Ein negativer geldwerter Vorteil (geldwerter Nachteil) kann aus der Überlassung eines Dienstwagens zur Privatnutzung also auch dann nicht entstehen, wenn das vom Arbeitnehmer zu zahlende Nutzungsentgelt den Wert der privaten Dienstwagennutzung sowie der Nutzung des Fahrzeugs zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte übersteigt.

In einer weiteren Entscheidung hatte der BFH den Fall zu beurteilen, dass der Arbeitnehmer nach der "1 %-Regelung" verfuhr und die Kraftstoffkosten selbst zu tragen hatte (BFH, Urteil vom 30.11.2016 - VI R 2/15). Ebenso wie das oben beschriebene Nutzungsentgelt sind auch diese Aufwendungen von der Höhe des geldwerten Vorteils abzuziehen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Arbeitnehmer den geltend gemachten Pkw-bezogenen Aufwand im Einzelnen darlegt und belastbar nachweist. Wenn die vom Arbeitnehmer nachgewiesenen Kosten den Wert des geldwerten Vorteils übersteigen, bleibt dieser bei "0". Die Differenz auch hier nicht als Werbungskosten Berücksichtigung finden.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Constanze Irrgang
Steuerberaterin - Rechtsanwältin