01.07.2020 / Verfasser: Rudolf Kettel

TAX COMPLIANCE Quo Vadis?

Nachdem die Implementierung und die Notwendigkeit von Tax Compliance Systemen (TCMS) schon seit Jahren auf der Agenda steht und ein praktiziertes TCMS sowohl von der Verwaltung, wie auch von den Firmen positiv beurteilt werden, stellt sich die Frage wie sich diese TCMS im Zeitalter der Digitalisierung und der OECD Anforderungen für internationale Geschäfte weiterentwickeln wird.

Derzeit ist durch die COVID 19 - Krise ein gewisses Zurückhalten bei der Umsetzung der OECD Vorgaben zu erkennen. Es werden eher nationale Interessen gegenüber den am Gemeinwohl orientierten Interessen der OECD vertreten.

Diese nicht am Gemeinwohl orientierte Haltung wird aber eher zu Handles Konflikten wie z.B. Strafzöllen führen.

Ein Tax Compliance System im Unternehmen zur Steuerung und Überwachung der ordnungsgemäßen Erfüllung sämtlicher steuerrechtlichen Anforderungen, insbesondere in Bezug auf mögliche Steuerpflichten im Ausland ist für exportorientierte Unternehmen unabdingbar.

Fair Taxation wird sich als Label wie Fair Trade entwickeln und aufgrund der Komplexität der Besteuerung bei Außenhandelsgeschäften muss sich das TCMS hin zu einer kooperativen Compliance entwickeln.

Rechtslage Status Quo

Heute können internationale Geschäfte im Rahmen eines sogenannten Joint Audits von den Betriebsprüfern der betroffenen Staaten geprüft werden, um bei komplexen steuerlichen Auslandsgeschäften Rechtssicherheit zu erhalten.

Die rechtlichen Grundlagen wurden hierzu in der EU durch die EU-Amtshilferichtlinie geschaffen und ist in Bezug aus Drittstaaten in Art.26 sowie Art. 8 und 9 des OECD - Musterabkommens enthalten.

Die Steuerintermediäre, allen voran die Steuerberater, wurden stärker in die Pflicht genommen. Es wurde eine Meldepflicht für Steuergestaltungen eingeführt.

Die Zukunft

Die Entwicklung geht weg von der Kontrolle der Steuersachverhalte hin zur Steuersicherheit als neuen Focuspunkt. Dies soll durch eine Kooperative Compliance erreicht werden. Unter einer Kooperativen Compliance versteht man die Abstimmung/Erklärungen der für die Besteuerung relevanten Sachverhalte zwischen allen Staaten, die von dem Geschäft betroffen sind.

Dies wird derzeit schon von einigen Staaten praktiziert. Das Programm der OECD nennt sich ICAP und soll den Unternehmen helfen, das Steuerrisiko bei internationalen Geschäften in den Griff zu bekommen.

Fazit

Eine TCMS für die Planung der Geschäftsprozesse ist unabdingbar. Dieses System ist kein Selbstzweck, es verhindert Strafen und kann auch für eine Kooperative Compliance mit den Steuerbehörden nicht nur im Ausland genutzt werden. Nur wenn man einen komplexen Sachverhalt im TCMS abgebildet hat, ist man auch in der Lage, diesen im Rahmen der Kooperativen Compliance mit den Steuerbehörden im In- und Ausland abzustimmen. Gerne stehen wir Ihnen für diesbezügliche Rückfragen zur Verfügung.

Rudolf Kettel
Wirtschaftsprüfer - Steuerberater