20.11.2017 / Verfasser: Joachim Fürst

Die Wahl des richtigen Güterstands aus steuerlicher Sicht

Die Frage, welcher Güterstand zwischen Ehegatten der richtige ist, wird auch von steuerlichen und erbrechtlichen Fragestellungen beeinflusst.

Einkommensteuer
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Wahl des Güterstands keine Auswirkung darauf hat, ob Ehegatten eine Zusammen- oder eine Einzelveranlagung wählen können. Der Splittingvorteil kann unabhängig vom Güterstand genutzt werden.

Erbschaft-/Schenkungsteuer und Erbrecht
Unterschiede zwischen den Güterständen entstehen insbesondere bei der Erbschaft/-Schenkungsteuer und der Berechnung des Erbteils. Diese werden im Folgenden überblicksmäßig erläutert.

1. Gesetzlicher Güterstand: Zugewinngemeinschaft
Bei der Zugewinngemeinschaft bleiben die Vermögenssphären der Ehegatten grundsätzlich getrennt.
Bei Auflösung der Ehe ist der entstandene Zugewinn (= Unterschied Endvermögen zu Anfangs-vermögen) gleichmäßig zwischen den Ehegatten aufzuteilen (sog. Zugewinnausgleich). Der Zugewinnausgleich ist schenkungsteuerfrei.
Bei Tod eines Ehegatten wird der Zugewinnausgleich dadurch vorgenommen, dass sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten von ¼ auf ½ erhöht. Erbschaftsteuerlich gesehen bleibt der Zugewinn ebenfalls steuerfrei.

2. Modifizierte Zugewinngemeinschaft
Hierbei handelt es sich ebenfalls noch um den Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Durch notariellen Vertrag werden aus der Berechnung des Zugewinns etwaige Gegenstände ausgenommen (z.B. Unternehmensbeteiligungen, Wohnhäuser ...). Dieses Herausnehmen kann entweder für den Fall der Ehescheidung und, aber in der Praxis seltener, auch für den Fall des Todes eines Ehegatten vereinbart werden.
Hintergrund der Modifizierung ist das Verhindern von Liquiditätsproblemen, die sich aus dem Ausgleich von Wertsteigerungen einzelner Vermögenspositionen (z.B. Unternehmen) ergeben können.
Steuerlich und erbrechtlich ergeben sich zur Zugewinngemeinschaft im Wesentlichen keine Unterschiede.

3. Gütertrennung
Bei der Gütertrennung werden ähnlich wie bei der Zugewinngemeinschaft die Vermögenssphären der Ehegatten getrennt. Zudem kommt es bei der Auflösung der Ehe nicht zu einem Ausgleich des entstandenen Zugewinns.
Der Erbteil des überlebenden Ehegatten hängt von der Anzahl der Kinder des Erblassers ab. Dieser beträgt bei einem Kind ½, bei zwei Kindern 1/3 und bei drei oder mehr Kindern ¼.
Erbschaftsteuerlich besteht der Nachteil, dass es keinen steuerfreien Zugewinnausgleich gibt.

4. Wechsel der Güterstände
Auswirkungen ergeben sich bei einem Wechsel des Güterstands, insbesondere beim Wechsel von oder zur Gütertrennung.

  • So ist beim Wechsel von der Zugewinngemeinschaft zur Gütertrennung der Zugewinn tatsächlich auszugleichen, aber grundsätzlich schenkungsteuerfrei.
  • Beim Wechsel von der Gütertrennung zur Zugewinngemeinschaft ergeben sich keine steuerlichen Auswirkungen, jedoch ist das Anfangsvermögen zu diesem Zeitpunkt zu ermitteln, da erst ab der Vereinbarung der Zugewinngemeinschaft wieder ein Zugewinn zu berechnen ist.
  • Bei einem Wechsel zwischen Gütertrennung und Zugewinngemeinschaft ändern sich ebenfalls die Erbquoten nach den oben genannten Grundsätzen.
  • Beim "Wechsel" von der Zugewinngemeinschaft zur modifizierten Zugewinngemeinschaft ergeben sich keine Auswirkungen, da es sich nicht um den Wechsel eines Güterstands handelt.

Gerne beraten wir Sie in einem persönlichen Gespräch ausführlich zu diesem komplexen Thema.

Joachim Fürst
Steuerberater
Fachberater für Unternehmensnachfolge (DStV e.V.)